Mit der 660 SMC hat KTM die käufliche Version der Werks-Replicas auf den Markt gebracht: ein Super-Moto Motorrad, dass grundsätzlich schon ebenso fertig für den Renneinsatz ist, aber genauso als zugelassenes Straßenmotorrad den Superbikes das Leben schwer machen kann.
Als versierter Tuner fand Axel Bergfeld aus Bielefeld, dass die serienmäßigen 654 ccm für den Einzylinder durchaus ausreichend sind - aber seine Modifikationen setzen noch das Tüpfelchen auf das i. Das Ganze beginnt mit der Akrapovic Auspuffanlage aus Titan: Die alleine bringt nicht nur optischen Höchstgewinn und das Image aus der Superbike-WM mit sich, sondern auch auf Anhieb 6 PS! Und das bereits ohne irgendwelche Änderungen am Vergaser, was zeigt, dass die original KTM Auspuffanlage ein Zugeständnis an die Zulassungsbestimmungen ist. Im weiteren Verlauf der Prüfstandsversuche hat sich gezeigt, dass diese Auspuffanlage der Schlüssel zum Erfolg ist, denn alle weiteren Tuningmaßnahmen sind letztlich nur mit dieser Auspuffanlage umzusetzen.
Der Motor
Der erste Kontakt mit dem Motorinneren ergab einige interessante Aspekte: Der neue Zylinderkopf hat bereits von Hause aus so große Kanäle, wie sie vorher aufgrund der Bauweise gar nicht aufzubohren möglich gewesen wären. Dazu zwei auf 32 mm Durchmesser gewachsene Auslaßventile und ein gerade verlaufender Ansaugkanal - Interessant ist jedoch, dass die Nockenwelle zum Vorjahresmodell grundsätzlich gleich geblieben ist - die sitzt jetzt nur wenige Grad verdreht und steuert so die gleichen Öffnungintervalle, aber zu anderen Zeiten. So hat Bergos folgerichtig eine komplett eigene Nockenwelle für diesen Kopf entwickelt. Im Zylinderkopf wurden Verdichtung und Quetschkanten angepaßt und die Ventilsitze so bearbeitet, dass sich schon bei kleiner Öffnung ein größerer Ringspalt zum Gasaustausch öffnet.
Alles zusammen ließ die ursprüngliche Leistung von 55 PS und 65 Nm Drehmoment auf sensationelle 71,7 PS und 74 Nm Drehmoment anwachsen. Beide Werte wurden auf dem Prüfstand am Hinterrad gemessen, so dass rechnerisch rund 78 PS an der Kurbelwelle anliegen sollten. "Die Einbußen im unteren Drehzahlbereich sind minimal und aufgrund des großen Hubraumes zu vernachlässigen, dafür dreht der Motor aber leichter und weiter nach oben," erklärt Bergfeld nach unseren Probefahrten. "Mit diesen überschaubaren Änderungen läßt sich der Motor Stufe für Stufe so ändern, dass man sich damit nirgends verstecken muß." Wobei er damit auf die Straße schielt, wo man mit einem solchen Motor auch den Mehrzylindern einen Schreck einjagen kann. Mit seiner speziellen Super-Moto-Ausführung muß man sich sowieso nicht verstecken, es sei denn man hat Angst vor Dieben. Denn schon vom Design her hat die 660er ein eigenes Gesicht bekommen: Als Rennfahrzeug konzipiert, mussten erst einmal Lampe und Heck weichen und alle Kunststoffteile wurden gegen königsblaues Dekor ersetzt. Dazu kam auch noch das alte KTM-Logo im mittlerweile wieder aktuellem Retro-Look auf Tank und Lufthutzen. Die Schwinge wurde poliert und dabei festgestellt, dass zwischen Reifen und Begrenzung immer noch Platz ist - selbst die nachträgliche verbaute, schwarz eloxierte, 5,5-Zoll-Felge (wie bei den Werksteams verwendet) ist da noch nicht das Ende - Eine 6-Zoll-Felge muß dann allerdings asymetrisch eingespeicht werden.
Das Fahrwerk
Sehr auffällig sind die beiden Bremsen mit "ultra-light"-Bremsscheiben von MotoMaster. Vorne schwimmend gelagert und 1 mm dicker als das orginal, aber trotzdem leichter, was die ungefederten Massen verringert. Außerdem statt aus herkömmlichem Guß-Material, jetzt wie in der Superbike-WM aus Edelstahl und dadurch nicht nur bruchfest sondern auch optisch eine Delikatesse.
Genauso wie der aus dem vollen Alu-Block gefräste und blau eloxierte Lucas Bremssattel mit 6! Kolben. Der ist dank Mustergutachten ebenso auf der Straße zu fahren, wie der dazu passende Radial-Bremszylinder, aus dem gleichen Haus. Der hat nämlich sogar einen Bremslichtschalter integriert. Auch für die Bremsscheiben sind laut Hersteller ab Februar TÜV-Gutachten verfügbar. Bei all den Änderungen gibt sich das Motorrad trotzdem immer noch sehr gutmütig: Selbst bei -6° (in Worten: Minus Sechs Grad) sprang der Motor mit wenigen Tritten an, und das obwohl wir auf einen Autodeko verzichtet hat, denn der erleichtert ja vor allem, dem hier nicht vorhandenen E-Starter die Arbeit. Praxisgerecht auch die Lenkererhöhung: Aber nicht wegen einer besseren Standposition für große Leute, wie im Endurosport üblich, sondern weil bei großer Schräglage im Super-Moto Stil sonst der Lenker auf dem Oberschenkel anschlägt.
Fazit
Noch immer ist das Projekt nicht ganz abgeschlossen: Geplant sind noch ein eigener Luftfilterkasten mit offenem K&N-Trockenluftfilter (wie er in den Werksmaschinen gefahren wird), ein passend dazu modifizierter AkrapovicSchalldämpfer und eine Block-Box ohne Drehzahlbegrenzer. Das sollte noch einmal zusätzlich 2 bis 3 PS bei einem noch breiteren Drehzahlband bringen. Dazu liegt auch noch ein spezielles Renngetriebe im Regal, das mit einem längeren ersten Gang und kürzer übersetzten Gangstufen zusätzlich für Vortrieb sorgen könnte - Nach dem Tüpfelchen auf dem i kommt dann noch das Ausrufezeichen!